Warum hat Bitcoin (BTC) einen Wert? – Stephan Otto
1. Gold ist rar: Es gibt nur eine begrenzte Menge Gold auf der Erde. Das meiste Gold auf der Welt wurde bereits gefunden. Schmölze man das gesamte Gold der Erde ein und formte daraus einen Würfel, hätte dieser Würfel eine Kantenlänge von weniger als 22 Metern. Quelle: https://www.gold.de/artikel/goldmengen-wie-gross-ist-goldwuerfel-wirklich
Und: Menschen tendieren dazu, rare Dinge als wertvoll, weil einzigartig, zu betrachten.
2. Man kann Gold nicht kopieren: Niemand kann Gold einfach herstellen. Um Gold zu bekommen, muss man es in der Erde suchen (schürfen), dies erfordert eine wirklich große Menge an Ressourcen. Und wenn man als einzelner Mensch mit einem Sieb in einem Fluss auf Goldsuche geht, ist die Ausbeute zu gering, als dass es sich lohnt.
3. Man kann die Echtheit von Gold relativ einfach überprüfen: siehe Archimedes. Wenn trotzdem Zweifel bestehen, hilft oft ein starker Magnet. (Gold ist nicht magnetisch)
4. Gold ist transportabel.
5. Gold ist stabil und geht nicht kaputt, wenn es herunterfällt: Das ist wirklich ein Vorteil. Aber Gold lässt sich verhältnismäßig leicht bearbeiten. Zudem ist Gold absolut ungiftig.
6. Gold ist in kleine Stücke teilbar: und behält dabei seinen Wert pro Masse. So können auch Menschen Gold kaufen, die nur wenig Geld in Gold anlegen wollen.
7. Gold ist fungibel, also austauschbar: das heißt, jedes Goldstück kann ein anderes Goldstück ersetzen. Egal, in welcher Form man Gold besitzt (Münze, Barren, etc): Wichtig ist nicht das Aussehen, sondern das Gewicht.
Nochmal zu 2.: Für die Nerds: ja, man Gold herstellen. Es geht im Teilchenbeschleuniger, aber das scheidet in der generellen Betrachtung aus Rentabilitätsgründen aus 🙂
1. Bitcoin ist rar: Der Computercode, dem das Bitcoin (BTC)netzwerk alle 10 Minuen zustimmt, besagt, dass es eine Obergrenze für herzustellende Bitcoin (BTC)s gibt. Mehr als 21 Millionen Bitcoin wird es nicht geben. 18,2 Millionen davon wurden bereits “hergestellt” und befinden sich in Umlauf. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin
2. Niemand kann Bitcoin kopieren: Auf Grund der Kryptografie (Verschlüsselung) von Bitcoin kann niemand, auch kein Supercomputer, Bitcoin ohne Aufwand, also aus dem Nichts, herstellen. Um Bitcoin zu erhalten, muss sehr starke Computer (millionenschwere Spezialhardware) im Bitcoin-Netzwerk “mitrechnen” lassen. Dies erfordert eine große Menge an Ressourcen, also Elektrizität (VIEL Elektrizität). In Anlehnung an das Goldschürfen nennt man das “Mitrechnen im Bitcoin-Netzwerk” auch Schürfen (Englisch: Mining). Und wenn man einen schwachen Heimcomputer „mitschürfen“ lässt, ist die Ausbeute zu gering, weil die Stromkosten den Bitcoin-Ertrag übersteigen. Siehe auch: wie entstehen Bitcoin (BTC)s? weiter unten.
3. Man kann die Echtheit von Bitcoin mit sehr einfachem Aufwand prüfen: Wer Bitcoin geschickt bekommt (zum Beispiel auf sein Handy), weiß sofort, dass es echt ist, weil das Bitcoin-Netzwerk die Transaktion sonst nicht erlaubt hätte.
4. Bitcoin ist transportabel: Während man Gold physisch und mit großem Aufwand transportiert, kann Bitcoin weltweit innerhalb von Minuten von jedem Computer (oder Handy) zu jedem anderen Computer (oder Handy) verschickt werden. Danach sind die Bitcoin (BTC)s auf dem Computer des Senders nicht mehr verfügbar sondern nur noch beim Empfänger.
5. Bitcon ist stabil und geht nicht kaputt: Auf Grund der mathematischen, verschlüsselten Struktur von Bitcoin bestehen Bitcoin (BTC)s, sehr einfach ausgedrückt, aus einem 51 Zeichen langen Code.
5HpHagT65TZzG1PH3CSu63k8DbpvD8s5ip4nEB3kEsreAnchuDf
In diesem Code haben mal 10 Bitcoin gesteckt.
Wer solch einen Code besizt, hat sofort Zugriff auf die Bitcoin (BTC)s, die mit diesem Code verschlüsselt sind (Quelle: Was ist ein Private Key? https://www.btc-echo.de/bitcoin-co-was-sind-private-key-und-public-key).
Diesen Code (Private Key) kan man auch audrucken oder: in Metall gravieren. So kann eine beliebig (!) hohe Menge an Bitcoin physisch gesichert werden. Diese Technik ist auf die meisten Kryptowährungen übertragbar.
6. Bitcoin ist in kleine Stücke teilbar: und behält dabei seinen Wert pro Menge. Bitcoin wird auf 8 Stellen hinter dem Komma berechnet. Man kann also auch 0,001505 Bitcoin kaufen, versenden oder speichern. So können auch Menschen Bitcoin und andere Kryptowährungen kaufen, die nur wenig Geld anlegen wollen.
7. Bitcoin ist fungibel, also austauschbar: Jeder (Teil eines) Bitcoin kann einen anderen ersetzen. Einschränkung: Weil das Bitcoin-Netzwerk öffentlich ist, kann man die Spur der versendeten Bitcoin (BTC)s verfolgen. Allerdings sind auch die meisten geprägten Goldbarren mit einer Seriennummer versehen.
Im Grunde bildet Bitcoin also die Eigenschaften von Gold im Internet ab. Mit dem Unterschied, dass der Transport von Bitcoin sehr viel einfacher ist.
Der Unterschied: den Wert von Gold kann ich auf Grund seines enormen Gewichtes fühlen. Aber egal, wie wieviel Bitcoin mein ausgedruckter Bitcoin-Code wert ist: es bleibt ein Blatt Papier.
Das stimmt — halb. Das einfache Lagern von Bitcoin verbraucht keinen Strom, weil Bitcoin (BTC)s im Grunde nur aus dem 51-Zeichen-Private-Key bestehen, den man auch offline ohne Elektrizität lagern kann. Diesen Code könnte man auch, gedruckt auf ein Stück Papier, von Hand zu Hand reichen — ohne Strom.
Woran viele nicht denken: Auch Gold benötigt Strom und viele andere Ressourcen. Das Schürfen in einer großen Goldlagerstätte ist harte, dreckige Arbeit (Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/green-blood-101.html)
Der weltweite Transport von Gold ist ebenfalls Ressourcen-hungrig, sowie das sichere Lagern in Banken und Schließfachfirmen.
Gibt es “dreckige” Arbeit auch bei Bitcoin?
Im Grunde ja, wenn auch in weit geringerem Maße: die Ressourcen-fressende Herstellung der millionenschweren Spezial-Hardware ist genau so wenig nachhaltig, wie die Herstellung traditioneller Computer. Die einzige Aufgabe der Spezialcomputer ist das Mining von Bitcoin (ASIC-Computerchips: https://block-builders.de/was-sind-asic-miner).
Aber: Auch der Motor eines Autos wird nur für einen einzigen Zweck hergestellt: ein Auto anzutreiben. Natürlich könnte die Menschheit auf Autos verzichten. Aber die Menschheit benötigt Transport und will Fortschritt. Und als Fortschritt könnte man auch Bitcoin (und andere Kryptowährungen) sehen. Kryptowährugen sind ein Versuch zur Verbesserung eines bislang schwierigen Vorgangs: die Bewegung von Werten über das Internet.
Aber es stimmt: die weltweit verteilten Mining-Spezialcomputer (die mit ihrer Rechenkraft auch alle Bitcoin-Transaktionen abwickeln), verbrauchen viel Strom. Jedoch gibt es mittlerweile Bitcoin–Mining-Center, die mit erneuerbarem, „grünem“ Strom laufen. Glaubt man diesem Artikel, so rechnen bereits rund drei Viertel der Bitcoin-Miningcenter mit erneuerbarer Energie. Quelle: https://www.vox.com/2019/6/18/18642645/bitcoin-energy-price-renewable-china.
Nächster Teil:
Vorheriger Teil: Bitcoin!? Damit werden doch Waffen im Internet bezahlt… Oder?
Published at Wed, 12 Feb 2020 21:41:52 +0000
